Manuela H., 07.07.2011

Lauflernschuhe - Teil 5

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Grün ist das neue Rosa

„Die Kollegin von der Kleinkindabteilung kommt gleich und wird sich um Sie kümmern“. Ich stehe vor einem riesigen Schuhregal, gefüllt mit Babyschuhen in den verschiedensten Größen, Farben und Formen. Hier gibt es Schuhe mit Klettverschluss, Schuhe zum Schnüren, Turnschuhe, Ballerinas, Sneakers, halbhohe Schuhe, die bis über den Knöchel reichen und welche, die nur knapp den Fuß bedecken. Es gibt dicke Sohlen, dünne Sohlen, feste Sohlen, elastische Sohlen…und so weiter. Ah, Lauflernschuhe!

Hier bin ich schon mal richtig. Eine nette junge Frau mit gelocktem Haar und Brille kommt auf mich zu, während ich immer noch damit beschäftigt bin, Olivia davon abzuhalten, um die Ecke zu krabbeln und zwischen den nächsten beiden Schuhregalen zu verschwinden. Sie ist heute etwas aufgedreht, hat keinen Mittagsschlaf gemacht und möchte ständig aktiv in Bewegung sein. Ich hatte keine Chance, sie auch nur 5 Minuten – ohne Weinen - in der Babytrage oder im  Kinderwagen zu halten.
Nachdem das Krabbeln erhebliche Fortschritte macht und ich manchmal richtig Angst habe, dass sie sich bei ihrem rasanten Tempo überschlägt, wenn sie mir überall hin zu folgen versucht, hat sie nun entdeckt, dass es noch mehr Spaß macht, auf ihren Füßen zu stehen und sich überall, wo es die Möglichkeit gibt, hochzuziehen, festzuhalten und sich, anstatt auf allen Vieren, alleine auf ihren Füßen fortzubewegen. 

„Wie kann ich ihnen helfen? Ah, ich sehe schon, wir wollen laufen lernen.“ Sie spricht, wie die meisten Mütter in dem Spielgymnastikkurs von meiner Tochter in der ersten Person Plural. Nachdem ich Olivia mit einer Reiswaffel dazu gebracht habe, einen Moment still zu sitzen, wendet sich die Verkäuferin gleich ihr zu, zieht ihr sanft ihre Söckchen aus und misst mit einem kleinen roten Plastikteil, was aussieht wie ein „Zwischending“ aus einem Lineal und einem etwas zu breit geratenen Schuhlöffel ihre Schuhgröße. Mittlerweile weiß ich, dass Olivia Lauflernschuhe in Größe 18 braucht. 


Mit der Frage, was ich mir denn so vorgestellt habe, bin ich allerdings etwas überfordert. Natürlich will ich das Beste für mein Kind, aber woher soll ich wissen, was das Beste ist? Ich habe also keine Wahl, mich ganz und gar auf die Schuhverkäuferin zu verlassen. Klettverschluss ist, ihrer Meinung nach, einfacher anzuziehen, hat allerdings den Nachteil, dass die Babys schnell herausfinden, wie selbiger zu öffnen ist und dies dann als ein Spiel betrachten. Schnürschuhe sind wohl etwas umständlicher anzuziehen, dafür kann man aber sein Kind mit einem Doppelknoten davon abhalten, sich den Schuh selbst wieder auszuziehen.  

Die Verkäuferin zeigt mir einige Modelle und Farben, mit denen wohl die meisten Kundinnen sehr zufrieden sind. Nachdem ich mich nach wie vor nicht entscheiden kann, beginnt sie damit, Olivia die Schuhe anzuziehen, was sich zunächst schwierig gestaltet, da sie ihre Zehen nach vorne umbiegt. Irgendwann scheint es ihr dann Spaß zu machen und sie bekommt nach und nach einige Modelle angezogen. Das ist es, ich lasse Olivia entscheiden. Schließlich soll sie die Schuhe tragen und ihr müssen sie passen, für sie müssen sie bequem sein. Wie kann ich da eine Entscheidung treffen. Die Verkäuferin gibt mir prinzipiell Recht. Also lassen wir Olivia in jedem Paar Schuhe, während ich ihre kleinen Händchen halte, ein paar Schritte laufen – wenn man das schon laufen nennen kann. Tatsächlich bemerke sogar ich Unterschiede in ihrer Gangart und kann feststellen, in welchen Schuhen sie sich geschickter anstellt und in welchen sie eher wackelig auf den Beinen wirkt.

Geschmack hat mein Kind, das muss man ihr lassen. Letztendlich entscheidet sie sich für ein Paar wirklich schicke Lauflernschuhe in einem dezenten beigen Wildleder mit Schnürsenkeln und für ein weiteres Paar in einem kräftigen Himbeerrot, ebenfalls aus Wildleder, mit Klettverschluss. Da es die himbeerroten noch in Eierschale und dunkelgrün gibt, kaufe ich diese gleich in dreifacher Ausfertigung. Schließlich sollen sie farblich ja auch immer abgestimmt zu ihrer Kleidung passen. Die himbeerroten Schuhe möchte Olivia scheinbar gleich anlassen und einen der kleinen roten Tieranhänger aus Plastik, den es zu jedem Paar Schuhe gibt, möchte sie auch nicht mehr aus den Händen geben. Sie sieht so süß aus, mit den Schuhen an ihren kleinen Füßchen, irgendwie schon richtig groß. Ich glaube, es wird langsam Zeit, dass ich mich von dem Wort „Säugling“ verabschiede. Mein Kind wird groß…Was kommt als nächstes? Das Abitur? Der erste Freund…

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